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Weihnachtskonzert

Spatzen und JBU begeistern in der Pauluskirche


Südwest-Presse Ulm / Jürgen Kanold 17.12.2018

Die o so fröhlich besungene, gnadenbringende Weihnachtszeit – sie brachte gestern in der Pauluskirche wieder das besonders festliche, aber auch mit adventlich besinnlichen Werken bestückte Weihnachtskonzert von Ulmer Spatzen Chor und Junger Bläserphilharmonie Ulm (JBU).

Die auch konditionsstarken Ensembles trumpften gleich zwei Mal hintereinander vor jeweils ausverkauftem Haus auf. Nur die Kleinsten, der Vorchor der Spatzen, hatten lediglich einen Auftritt, verkündeten aber singend: „Nun schmücken wir den Weihnachtsbaum“. Dafür war beim 17-Uhr-Termin der von Barbara Comes neu formierte Ehemaligen-Chor der Spatzen, „Les Passerelles“, dabei: mit feinen Sätzen von Gentner und Distler und auch einer besinnlichen „Stillen Nacht“.

Es war ein ungemein vielfältiges Programm, das traditionell ein Blechbläserensemble von der Altarempore aus eröffnete: mit Händels „Tochter Zion“. Da war sie dann gleich, die viel beschworene Freude, und es wurde gestern überhaupt gejauchzt und frohlockt: Der Kinder- und Jugendchor der von Hans de Gilde dirigierten Spatzen stimmte, begleitet von einem Instrumentalensemble samt Pauke und Trompete (Michael Bischof), den Eingangschor des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach an – prächtig und klangvoll.

Auch das Sanctus und das Benedictus aus Mozarts „Spatzenmesse“ ertönte feierlich und auf hohem Niveau, schließlich sang der aktuelle Bundessieger unter den deutschen Jugendchören. Um die Welt und in Regionen des Pop reisten die von Barbara Comes an Orgel, Keyboard und Flügel begleiteten Spatzen dann auch mit Weihnachtsliedern des Franzosen Bernard Lienhardt bis zu „Midwinter“ von Bob Chilcott – den britischen Komponisten hatte der Jugendchor in diesem Jahr beim Festival „Europa Cantat“ in Estland kennengelernt.

Die Bläserphilharmonie unter der Leitung von Josef Christ demonstrierte, wie einfallsreich und raffiniert die Komponisten und Arrangeure sinfonischer Blasmusik die populären Weihnachtslieder verarbeiten können. Das Nachwuchsorchester etwa bot mit unterhaltsamem Swing und Spielfreude ein „Christmas Spiritual“ (Luigi di Ghisallo) und betonte auch: „Merry Christmas and all that Jazz!“ (Michael Story).
Mit der großen Orgel

Das Große Orchester der JBU imponierte mit anspruchsvoller Literatur, mit John Rutters „Christmas“ und auch „Symphonic Prelude on Adeste Fideles“ von Claude T. Smith – das war geradezu fanfarenartiges Hollywood-Spektakel, erstklassig und wirkungsvoll intoniert. Und schließlich das Finale aus Camille Saint-Saëns’ 3. Sinfonie, die den Beinamen „Orgelsinfonie“ trägt – Spätromantik, transkribiert von Earl Slocum für sinfonisches Blasorchester. Ein sehr interessanter Fund und eine tolle Idee, auch mal die große Link-Gaida-Orgel ins Spiel zu bringen (mit Volker Konstantin Unseld von der Musikschule Ulm als Solisten). Da bebte die Pauluskirche.

Und laut war gestern naturgemäß wieder der Beifall. Jubel um Jubel und ein Höhepunkt eines jeden musikalischen Ulmer Jahres: das Gruppenbild von Spatzen und JBU in der Pauluskirche, keine himmlischen Heere, aber unzählige Akteure: der zu Herzen gehende Abendsegen aus „Hänsel und Gretel“ und ein gewaltiges „O du fröhliche“ für alle. Standing Ovations.
Zugunsten der Aktion 100 000

Der Erlös der Weihnachtskonzerte des Ulmer Spatzen Chors und der Jungen Bläserphilharmonie Ulm geht an die Aktion 100 000 und Ulmer helft. Im vergangenen Jahr spendeten die Ensembles stolze 5753 Euro.
 

Festliches Zwitschern in der Pauluskirche


Eine schöne Weihnachtstradition: Die Chöre der Ulmer Spatzen und Junge Bläserphilharmonie treten zusammen auf - und bekommen Verstärkung vom Publikum.

Augsburger Allgemeine - Neu-Ulmer Zeitung | DAGMAR HUB

Für ein solches Weihnachtskonzert braucht man wirklich Kondition: Zweimal direkt hintereinander begeisterten die Chöre der Ulmer Spatzen unter der Leitung von Hans de Gilde und die Musikerinnen und Musiker der Jungen Bläserphilharmonie Ulm (JBU) unter Dirigent Josef Christ das Publikum in der Pauluskirche– und erhielten Standing Ovations für ein festlich-adventliches Konzertprogramm. Ausnahme im musikalischen Marathon: Die Jüngsten vom Vorchor traten nur einmal auf, ihren Part übernahmen beim anschließenden zweiten Durchlauf die ehemaligen „Spatzen“, die als „Les Passerelles“ ihr Niveau weiter pflegen.

Vom kindlich-niedlichen „Nun schmücken wir den Weihnachtsbaum“ der allerjüngsten „Spatzen“ bis hin zum prächtigen Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“ aus Bachs Weihnachtsoratorium spannten die „Spatzen“ einen weiten Bogen; eine tolle Idee, darin auch Wolfgang Amadeus Mozarts „Spatzenmesse“ ihren Platz finden zu lassen – und zwar genau jene Teile, denen die „Missa in C“ ihren Beinamen verdankt, weil im „Hosanna“ Spatzen zu tschilpen und zu zwitschern scheinen. Daneben erfreuten die Spatzen-Chöre auch mit vertrauten weihnachtlichen Weisen wie „Es kommt ein Schiff geladen“ oder „Adeste fideles“ und dem Chorsatz „Midwinter“ von Bob Chilcott.

Auch die Orgel in der Pauluskirche erklingt
Das Nachwuchsorchester der JBU stimmte auf jazzige Weise auf Weihnachten ein; das große Orchester präsentierte ein Medley von Kompositionen des Briten John Rutter. „Adeste fideles“, das zu den beliebtesten Weihnachtsliedern in Europa zählt, hatte auch die JBU auf ihren Programm – allerdings in einer sinfonisch-wuchtigen Bearbeitung. Highlight der JBU: Das Finale aus Camille Saint-Saëns’ dritter Sinfonie, der „Orgelsinfonie“. Dabei kam – gespielt von Volker Konstantin Unseld – die große Orgel der Pauluskirche zu ihrem Einsatz.
Eng wurde es zum Schluss auf der Bühne: Zum „Abendsegen“ aus Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ standen alle Akteure beider mit vielen Preisen ausgezeichneter Ulmer Ensembles auf der Bühne – zur Begeisterung der Zuhörer. „Hänsel und Gretel“ wurde am Vortag vor Weihnachten 1893, also vor 125 Jahren, uraufgeführt und wird gern in der Adventszeit gespielt, obwohl eigentlich nur die Lebkuchen-Welt der Oper adventlich ist.

Gewaltig am Ende: Das „O du fröhliche“ aller Akteure zusammen mit dem Publikum.
 

JBU mit Talent und Teamgeist


Südwest-Presse Ulm | Christa Kanand | 15.10.2018

Die Orchester der Jungen Bläserphilharmonie Ulm begeistern mit starken Werken und zahlreichen Soli im CCU.

Fußballländerspiel oder Jahreskonzert der Jungen Bläserphilharmonie Ulm (JBU)? Für treue JBU-Fans war das am Samstag keine Frage. Gut so, denn sie hatten im locker gefüllten CCU viel Grund zum Jubeln. Fast hundert Instrumentalisten glänzten in zwei Formationen in einem breit gefächerten Programm, das die Solistinnen Sophia Hüber (Konzertmeisterin) und Clarissa Henle (Flöte) ins rechte Licht setzten. Unter Josef Christs unprätentiöser Stabführung wurde das Potenzial der Arrangements aus Klassik, Musical, Filmmusik, Jazz und Latino-Tänzen stilsicher ausgespielt. Ein Auftakt nach Maß gelang schon dem JBU-Nachwuchsorchester, das mit Teamgeist, Können und Talent an fast 40 Pulten, vom Applaus beflügelt, mächtig Eindruck machte. Konzentriert und sattelfest erspielte sich das junge Aufgebot mit John Williams’ Harry-Potter-Filmmusik und bekannten Musical-Highlights aus „Die Schöne und das Biest“ und „Fiddler on the Roof“ mit dem Hit „Wenn ich einmal reich wär’“ die Gunst des hellauf begeisterten Publikums.

Züricher Vorbild

Quasi der klingende rote Teppich für Michael Leibinger, den ersten Vorsitzenden der JBU. Er konnte unter den etwa 700 Besuchern etliche Ehrengäste wie den Ulmer OB Gunter Czisch und Vertreter vom befreundeten Orchester aus Zürich begrüßen. Vom Züricher Vorbild inspiriert, wurde nämlich 1961 die Ulmer Knabenmusik (UKM) gegründet, die nach dem Beitritt von Mädchen seit zehn Jahren als Junge Bläserphilharmonie Ulm (JBU) firmiert. Ein großer Teil des Orchesters wird von Fachlehrern der Musikschule Ulm ausgebildet, ohne die das Niveau nicht erreicht würde. Und wie enorm hoch das Niveau ist, das zeigte das Große Orchester. Zur musikalischen Visitenkarte geriet dabei voller Schmiss die Transkription von Ambroise Thomas’ vergessener „Raymond“-Opern-Overture.

Auch bei Philip Sparkes tonmalerischem „Orient Express“ mit Pfeifen, Tuten und Rattern oder dem brillanten „Jupiter“-Satz aus Gustav Holsts Planeten-Suite konnte sich Dirigent Christ auf intonationssicheres, präzises Zusammenspiel innerhalb der Register ebenso verlassen wie auf die Qualität der zahlreichen Soli.

Im Breitwandsound spielte die farbenreiche Besetzung vom erst elfjährigen Hornisten – einer der diversen Jugend-musiziert-Preisträger – bis zu den Twens besonders in Franco Cesarinis „Tom ­Sawyer Suite“ ihre Stärken aus: Effektvoll setzten die fünf Schlagwerker Akzente, wuchtige Dramatik im „Indianer-Joe“-Satz paarte sich mit Gesangspassagen, galoppierend nahte das „Happy Ending“. Kein Wunder, dass die Zuhörer nach lässigem Jazz-Feeling bei Cole-Porter-Ohrwürmern und kubanischen Tanzrhythmen mit den Solisten Paul Schuster (Posaune) und Niklas Christ (Trompete) mit tosendem Jubel und Standing Ovations Zugaben forderten – bis zum Rausschmiss mit Otto M. Schwarz’ poppigem „All the Best“.
 

Mitreißende Interpretationen und fulminante Soli


Die Junge Bläserphilharmonie Ulm zeigt, warum sie zu den besten jungen Auswahlorchestern im weiten Umkreis zählt
Neu-Ulmer Zeitung vom 17.10.2018 | Autor: Wilhelm Schmid

Dass die Junge Bläserphilharmonie Ulm (JBU) zu den besten jungen Auswahlorchestern im weiten Umkreis gehört, ist spätestens seit dem Deutschen Orchesterwettbewerb, der vor zwei Jahren in Ulm stattfand, allgemein bekannt. Und nicht nur die zahlreichen Auslandsauftritte bestätigen diesen hervorragenden Ruf immer wieder, sondern vor allem auch das Jahreskonzert. Dessen neueste Auflage fand jetzt im sehr gut besetzten Congress-Centrum statt.

Dirigent Josef Christ hatte zunächst das Nachwuchsorchester auf die Bühne geholt. Mit einer Auswahl aus „Die Schöne und das Biest“ sowie den Erfolgswerken „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ sowie den Höhepunkten aus „Fiddler on the Roof“ zeigten die ambitionierten jungen Musiker sowohl ihr Können im instrumentalen als auch im interpretatorischen Bereich. Zu Josef Christs Stärken am Pult und in der Probenarbeit zählt ganz offensichtlich die Fähigkeit, sein Orchester so zu motivieren, dass es auch schwierige Passagen mit vollem Engagement angeht, sodass der verdiente Erfolg nicht ausbleibt. Anhaltender Applaus war der Lohn dafür.

Für den anschließenden Auftritt der Jungen Bläserphilharmonie hatte Christ die „Raymond-Ouvertüre“ von Ambroise Thomas aus dem 19. Jahrhundert auflegen lassen, die durch ihr brillantes Arrangement von Teruaki Matsushiro für aktuelles sinfonisches Blasorchester eine große Rarität darstellt. Das JBU wurde den hohen Anforderungen bestens gerecht; dasselbe gilt für den berühmten „Orient Express“ von Philip Sparke, mit dem man eine musikalische Reise von London nach Venedig unternahm. Das Werk ist Blasmusikfreunden seit Jahren wohlbekannt, aber hier erlebte man es, dank einer mitreißenden Interpretation, wieder einmal in ganz besonderem Licht.
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Nicht minder geläufig ist dem Konzertpublikum die „Planeten“-Suite von Gustav Holst, aus der das JBU den Satz „Jupiter – Bringer der Fröhlichkeit“ so gekonnt aufstrahlen ließ, dass man den größten Trabanten unseres Sonnensystems buchstäblich in neuem Licht erlebte.

Neben dem erwähnten Philip Sparke war Anfang dieses Jahres auch der Komponist Franco Cesarini beim ersten Internationalen Blasmusikkongress in Neu-Ulm zu Gast gewesen – und auch von ihm gab es eines seiner großen Werke zu hören: In der „Tom Sawyer Suite“ ließ das Orchester die Romanfiguren und das abenteuerliche Geschehen um den Lausbuben aus den amerikanischen Südstaaten auf so begeisternde Weise aufleben, dass das zahlreiche Publikum nicht mit dem verdienten Applaus sparte. Mit Cole Porter ging es dann auf den Broadway, wo es dessen große Hits der dortigen Musical-Szene zu hören gab.

Den Abschluss machten die „Danzas Cubanas“ von Robert Sheldon, einem der aktuell am meisten aufgeführten zeitgenössischen Blasmusik-Komponisten. Der herausgebende Verlag empfiehlt die „Danzas“: Die drei Tänze Conga, Salsa und Mambo seien „hervorragend geeignet als feuriger Abschluss eines Konzertabends“, und das wurde nicht nur durch das gesamte Orchester, sondern auch mit fulminanten Soli unter Beweis gestellt.

Anhaltender Beifall erbrachte mit „All The Best“ eine nicht minder fetzige Zugabe von Otto M. Schwarz, also wiederum von einem Komponisten, der heuer beim Blasmusikkongress in Neu-Ulm aufgetreten war. Das JBU darf das Jahreskonzert in seine Erfolgschronik als bestens gelungenen Meilenstein einreihen.
 

Kino für die Ohren


Südwest-Presse vom 19.10.2018 | Pappelau | Autorin: Margot Autenrieth-Kronenthaler

Die Junge Bläserphilharmonie Ulm (JBU) unter der Leitung von Josef Christ ist ein außerordentlich leistungsstarker Klangkörper, der weit über die Region hinaus bekannt ist und auf sehr hohem Niveau spielt. Konzertreisen führten die jungen Leute schon in die USA, Australien, China und Südafrika. Ein guter Ruf eilt dem 60-köpfigen Orchester voraus – ganz zu Recht. Eine ausgewogene Besetzung sorgte auf dem Hochsträß für einen hervorragenden und transparenten Klang. Die Instrumentalisten spielten mit großer Präzision, stuften dynamisch fein ab und nahmen kleinste Impulse ihres Dirigenten gekonnt auf.

Mit der Transkription der Opern-Ouvertüre „Raymond“ von Ambroise Thomas hatte das Orchester einen klassischen und schwungvollen Auftakt mit bestechenden Piano-Passagen und beeindruckenden Soli von Klarinette und Oboe gewählt. Kastagnetten klangen bei „Cielo Andaluz“ von Pascual Marquina und entführten nach Spanien. Das eingängige und mitreißende Werk wurde temperamentvoll dargeboten.

Voller Temperament

Kino für die Ohren gab es bei „Orient Express“ von Philip Sparke. Klasse, wie hier die Abfahrt des Zuges musikalisch in Szene gesetzt wurde, inklusive Pfiff und einer ratternden Dampflok, die immer mehr an Fahrt aufnimmt. Sehr abwechslungsreich geriet das Stück durch seine ruhigen und lyrischen Passagen. Ein weiteres lautmalerisches Werk wurde mit der „Tom Sawyer Suite“ von Franco Cesarini aufgeführt, welches vom Publikum besonders begeistert aufgenommen wurde. Fünf Sätze stellten die Romanfiguren des Jugendbuchklassikers musikalisch dar. Die Charaktere der Figuren wurden durch jeweils eigene musikalische Motive gekennzeichnet. Eine heiter-beschwingte Melodie erfasst das Wesen des abenteuerlustigen „Tom Sawyer“ bestens. Im Kontrast dazu wird der Mörder „Indianer-Joe“ in düster-dramatischen Klangfarben dargestellt. Mit „Happy Ending“ folgt ein freudiger finaler Satz, der die Spannung auflöst.

Karibische Rhythmen

Karibische Rhythmen waren in „Danzas Cubanas“ angesagt. Kubanische Tänze wie Conga, Salsa und Mambo bilden hier die Grundlage der Musik. Das Schlagwerk hatte ordentlich zu tun. Daneben glänzten drei Solisten auf den Instrumenten Posaune, Querflöte und Trompete. Stehende Ovationen am Ende des Konzerts. Natürlich hatte man noch zur Freude des Publikums die eine oder andere Zugabe in petto.
Unterstützung fürs Orchester

Der überwältigende Zuspruch zeige den großen Stellenwert, welches das Orchester genieße, hieß es bei der Begrüßung durch Gebietsdirektor Michael Hess und Filialdirektor Christian Sigg. Das Konzert auf dem Hochsträß wurde von der Sparkasse Ulm veranstaltet. Sie sponsert das renommierte Jugendorchester seit Jahren mit namhaften Beträgen.
 

Doppelkonzert begeistert Zuschauer


Bläserphilharmonie hat Gäste aus Afrika

Zwei musikalische Welten sind am Freitagabend vor annähernd 1000 Besuchern im Ulmer Congress Centrum (CCU) aufeinandergetroffen – und das in doppelter Hinsicht: nämlich Musik vom europäischen und vom afrikanischen Kontinent sowie sinfonische Blasmusik und Chorgesang. Akteure des vom Publikum mit wahren Applaussalven bejubelten Doppelkonzerts waren zwei Jugendensembles: die Junge Bläserphilharmonie Ulm (JBU) unter Leitung von Josef Christ und der Drakensberg Boys Choir unter dem Dirigenten Bernard Krüger. Vor allem der zweite Konzertteil – „Woza, Africa!“, eine durch Gesang und Choreografie, Fulminanz und voller Empathie bestechend vorgetragene Hommage des Chores an das in weiten Teilen Südafrikas viel zu spärliche Wasser und die dafür reichlich vorhandene Wildnis – riss die zahlreichen Besucher zu stehenden Ovationen hin.

Der aus rund 60 schwarzen und weißen Jugendlichen im Alter zwischen elf und 16 Jahren bestehende Chor beantwortete mit dem Gastspiel einen Besuch der Ulmer im vergangenen Jahr. Die JBU war im Sommer 2017 im Rahmen ihrer Konzertreise durch Südafrika auch in Durban und im 250 Kilometer östlich davon liegenden Drakensberg aufgetreten.

Die Südafrikaner reisten von Ulm aus weiter zu einem Konzert nach Salzburg. In dieser Woche nimmt der vielfach international ausgezeichnete Boys Choir am Europäischen Festival der Jugendchöre im schweizerischen Basel teil. (az)
 

Drakensberg Boys Choir und JBU im CCU


Südwest-Presse Ulm vom 08.05.2018 | Burkhard Schäfer

Als am Ende des Konzerts – nach lauten Jubelrufen, nicht enden wollendem Applaus und Standing Ovations – alle im Congress Centrum Ulm gemeinsam das 1959 von Todd Matshikiza komponierte südafrikanische Lied „Shosholoza“ sangen und sich zu der Musik mit dem ganzen Körper wiegten, war klar: Dieser Abend hatte alle aufgerüttelt. Das Wort „Shosholoza“ kann man mit „mutig nach vorne schauen“ oder „wir greifen an“ übersetzen – und es entpuppte sich im Nachhinein als das geheime Motto des Konzerts.

Denn was die begeisterten Zuhörer vor allem in der zweiten Programmhälfte erlebten, war in der Tat nichts weniger als ein – allerdings freundschaftlicher – Frontalangriff auf jede Form von (westlicher) Arroganz, Ignoranz und Indolenz. Der Drakensberg Boys Choir und sein Leiter Bernard Krüger hatten nach der Pause die Bühne geentert und ein Afrika-Medley angestimmt, das man als perfekt durchchoreografiertes Mini-Musical bezeichnen könnte. Die Probleme des schwarzen Kontinents wie etwa seine Wasserknappheit kamen dabei genauso zur Sprache – besser gesagt: zu Gesang und Tanz – wie die Schönheiten des Landes: Wildtiere in Busch und Urwald. Dass der „Rhythmus das Herz aller afrikanischen Musik“ ist, wie es in dem Song „African Drumming“ hieß, wurde durch die (laut)starke Performance nicht nur der Trommler geradezu haptisch erfahrbar.

Eine erste Kostprobe ihres Könnens hatten die „Boys“ zum Auftakt des Abends geliefert, als sie mit dem „Dansgebed“ von Peter Louis van Dijk in die Rolle von Buschmännern der Kala­hari-Wüste schlüpften, die den Himmel um Regen anflehen. Mit dem Offertorium „Misericordias Domini“ von Mozart, „Little Man In A Hurry“ von Eric Whitacre, dem „Wrong Note Rag“ von Leonard Bernstein und – absolut mitreißend! – dem Abba-Hit „Does Your Mother Know“ zeigten die Gäste aus Afrika, dass sie gesanglich auch auf anderen Kontinenten zuhause sind.

Dank für die Gastfreundschaft

Dann waren die Gastgeber an der Reihe. Drei Werke für großes Orchester hatten die JBU und ihr Leiter Josef Christ vorbereitet, unter andrem den „Jupiter“-Satz aus Gustav Holsts „The Planets“ und die Tom-Sawyer-Suite von Franco Cesarini. Es war der perfekt vorgetragene Dank für die große Gastfreundschaft, die die Ulmer letztes Jahr bei ihrer Tour durch Afrika erleben durften.


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